Evangelium nach Johannes (12, 24 - 33)

In jener Zeit sprach Jesus:

Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.

Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.

Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.

Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen.

Vater, verherrliche deinen Namen!

Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden.

Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.

Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.


Predigt zum Misereor-Sonntag

Dieses Plakat zur Misereor-Aktion müssen wir uns genauer anschauen: eine Frau in bolivianischer Tracht, offensichtlich eine Angehörige der indigenen Bevölkerung, blickt auf einen See. Es ist eine friedliche, schöne und noch unberührte Landschaft. Gestört wird das Ganze von Aktienlinien und Börsenwerten, Symbol für den Kapitalismus, der auch vor der Schönheit der Natur nicht halt macht. Und darüber das diesjährige Motto der Fastenaktion: "Es geht! Anders".

Die Welt hat sich in den letzten zehn Jahren ordentlich verändert: Globalisierung, Vernetzung und neue Technologien haben in praktisch allen Teilen der Welt grundsätzlich zu einem Wirtschaftswachstum und zu größerer Verfügbarkeit von Geld geführt. Nur - wer profitiert davon, und wer leidet darunter? In Bolivien profitieren vor allem die, die eh schon reich waren, und sich so am Spiel der Märkte beteiligen konnten. Und am meisten leiden tut die indigene Bevölkerung, die Nachfahren der bolivianischen Ureinwohner, die gesellschaftlich immer noch gering geschätzt werden. Und leiden tut deren Lebensraum. Viele leben nämlich noch in kleinbäuerlichen Verhältnissen. Wenn aber immer mehr Flächen für Industrie verbraucht werden, Landschaften durch Abholzung und Raubbau zerstört werden, und Gewässer immer mehr Gift in sich tragen, dann verlieren sie ihre Lebensgrundlage.

Misereor setzt hier an ganz verschiedenen Stellen an. Zum einen befähigen sie die Bauern durch Fortbildung zu einer naturnahen Landwirtschaft, die das bisschen Land, das sie haben, schützt und Nachhaltigkeit fördert. Zum zweiten gibt es Projekte, um die immer größer werdenden Müllberge zu nutzen und durch Recycling Arbeitslätze und Zukunft zu schaffen. Und: Misereor arbeitet mit Nicht-Regierungsorganisationen zusammen, um der indigenen Bevölkerung auch eine politische Stimme zu verleihen und sich so ihre Rechte zu erkämpfen. Und wie immer: Bolivien ist nur das diesjährige Beispielland. Misereor macht dasselbe in vielen Südamerikanischen Ländern.

Und wir können uns beteiligen, und wir müssen uns beteiligen. Es geht hier ja auch um die Weltwirtschaft, und da sind wir beteiligt. Und es geht beim Raubbau an der Natur, insbesondere am amazonischem Regenwald, um das Weltklima, und das ist auch unser Klima.

Es geht! Anders. Wir leben seit genau einem Jahr sehr anders. Mit schweren wirtschaftlichen Folgen für viele, aber auch mit positiven Auswirkungen für die Natur. Im vergangenen Jahr ist in Deutschland der CO2 Ausstoß gesunken wie seit 40 Jahren nicht mehr. Wenn die Pandemie vorbei ist, gilt es schon darauf zu schauen, was wir daraus lernen können, und wie es in Zukunft anders gehen kann. Nicht, indem wir uns weiter einschränken, was Gemeinschaft und Feste, Kunst und Kultur betrifft, wohl aber, was die gedankenlose Verschwendung von Rohstoffen und Treibstoffen betrifft.

Es geht! Anders. Jesus hat es vor gemacht. Er hat sich selbst nicht geschont, sondern sein Leben für andere eingesetzt. "Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.". Das Leben setzt sich durch, Wandel ist möglich. Auch das ist die Umkehr, zu der Jesus uns aufruft. Amen.