Lesung aus der Apostelgeschichte (1, 13 - 26)

In jenen Tagen erhob sich Petrus im Kreis der Brüder - etwa hundertzwanzig waren zusammengekommen - und sagte:

Brüder! Es musste sich das Schriftwort erfüllen,
das der Heilige Geist durch den Mund Davids im Voraus über Judas gesprochen hat.
Judas wurde zum Anführer derer, die Jesus gefangen nahmen.
Er wurde zu uns gezählt und hatte Anteil am gleichen Dienst.
Es steht im Buch der Psalmen: Sein Amt soll ein anderer erhalten!
Es ist also nötig,

dass einer von den Männern, die mit uns die ganze Zeit zusammen waren,
als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging, angefangen von der Taufe durch Johannes
bis zu dem Tag, an dem er von uns ging und in den Himmel aufgenommen wurde
- einer von diesen muss nun zusammen mit uns Zeuge seiner Auferstehung sein.
Und sie stellten zwei Männer auf: Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias.
Dann beteten sie: Du, Herr, kennst die Herzen aller; zeige, wen von diesen beiden du erwählt hast, diesen Dienst und dieses Apostelamt zu übernehmen!
Denn Judas hat es verlassen und ist an den Ort gegangen, der ihm bestimmt war.
Sie warfen das Los über sie;
das Los fiel auf Matthias und er wurde den elf Aposteln zugezählt.


Predigt zum 7. Sonntag der Osterzeit

Im Herbst wird der neue Bundestag gewählt, die Kandidaten und Kandidatin für das Kanzleramt sind aufgestellt, und der Wahlkampf wird wohl in kurzer Zeit richtig Fahrt aufnehmen, Pandemie hin oder her.

In der Lesung haben wir von der Wahl des Matthias ins Apostelamt gehört. Jesus hat den Zwölferkreis bei sich gehabt, um so die Sammlung der zwölf Stämme Israels bildlich darzustellen. Aber Judas hat den Kreis unrühmlich verlassen, jetzt muss ein neuer zwölfter Mann her. Aber eigentlich wird Matthias gar nicht gewählt. Es werden zwar auch Kandidaten aufgestellt, aber dann entscheidet das Los, also wenn man will Gott selbst. Von Wahlkampf ist hier keine Rede.

Warum haben die das so gemacht? Weil Wahlkampf immer auch ein Stück weit Streit bedeutet, und die Diskussion, wer es besser weiß und kann als der Andere, und weil man am Besten die eigenen Fähigkeiten herausstellt, indem man die Fähigkeiten des Anderen herabsetzt. Und so etwas soll es unter den Jüngern nicht geben.

Wir kennen ja auch eine Geschichte, in der sich die Jünger streiten, wer von ihnen der Größte sei, und Jesus erteilt ihnen dafür einen Rüffel. Jetzt mit der Erfahrung von der wahren Hingabe Jesu am Kreuz und seiner Auferstehung, sind sie scheinbar schlauer, und wissen, dass sie das, was vor ihnen liegt nur bewältigen können, wenn sie einig bleiben.

Denn so hat es Jesus in seinem Abschiedsgebet auch formuliert: "Bewahre sie in deinem Namen, damit sie eins sind, wie wir" und an einer anderen Stelle: "Alle sollen eins sein, damit die Welt glaubt.". Wenn die Jünger immer noch ein Haufen von Streithanseln wären, wäre es mit Glaubwürdigkeit nicht weit her.

Und dadurch sollen sich die Anhänger Jesu auch von der Welt unterscheiden. Sie sind in der Welt, aber nicht von der Welt. Und mit Welt ist hier eben alles gemeint, was von Gott fern hält: Egoismus, Gier Machtstreben und Lüge. Dem sollen sich die Jünger nicht anschließen, aber in dieser Welt wirken und hier Jesu Wort verkünden, und damit diese Welt verändern.

Für diese Aufgabe hat Matthias das Apostelamt übertragen bekommen, aber Nachfolger der Apostel und Nachfolger Christi sind wir alle. In Taufe und Firmung erwählt vom Heiligen Geist, ebenfalls ohne Wahlkampf oder Kandidatur. Und das heißt, dass Gott selbst uns alle für fähig hält, unseren Teil beizutragen, selbst wenn es nur ein kleiner Beitrag ist. Wir alle sind in die Welt gesandt, um einig und gemeinsam am Reich Gottes zu arbeiten. Amen.