PG Aub

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Lesung aus dem Lukasevangelium (9, 18 - 24)

Jesus betete einmal in der Einsamkeit, und die Jünger waren bei ihm.

Da fragte er sie: Für wen halten mich die Leute?

Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija;

wieder andere sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden.

Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?

Petrus antwortete: Für den Messias Gottes.

Doch er verbot ihnen streng, es jemand weiterzusagen.

Und er fügte hinzu: Der Menschensohn muss vieles erleiden

und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden;

er wird getötet werden,

aber am dritten Tag wird er auferstehen.

Zu allen sagte er: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst,

nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren;

wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.


Predigt zum 12. Sonntag im Jahreskreis

Ist es nicht seltsam? Heute haben wir den ersten normalen Sonnntagsgottesdienst nach der langen Festzeit der Feier von Tod und Auferstehung Jesu, und als Evangelium hörten wir die Ankündigung von Tod und Auferstehung Jesu. Kann es nicht auch mal um etwas anderes gehen?

Natürlich kann es das, aber in den österlichen Geheimnissen liegt nun mal das Besondere und Entscheidende an Jesus. Denn als er zu Lebzeiten fragt: "Für wen halten mich die Menschen", da können die meisten gar nicht anders, als mit dem Gewohnten zu antworten: Jesus sei ein Prophet. Und die Vergleiche mit Elias oder Johannes dem Täufer, die sind schon sehr hoch, beide sind im Volk hochverehrt. Jesus mit ihnen gleichzusetzen ist ein Bekenntnis, dass er wirklich etwas Besonderes ist.

Aber Jesus ist noch mehr. Petrus bringt es auf den Punkt: "Du bist der Messias Gottes".

Aber wie soll der Normalbürger das von einem Propheten unterscheiden, wie erkennt man Jesu Messiastum? Erwartet wurde ein Eingreifen von oben. Eine gottgesandte Gestalt aus königlichem Geblüt, die das Reich Israel neu gründet, notfalls mit Waffengewalt, bzw. mit Hilfe von Gottes gewalttätigem Eingreifen. Und Jesus macht das Gegenteil: er lehnt alle Gewalt ab, er widerspricht allen Vorstellungen von Gott als Gewalttäter und Bestrafer und er richtet kein irdisches Reich auf, sondern verkündet die Ankunft des Reiches Gottes mitten unter den Menschen, ja vor allem unter den Menschen ganz unten. Und ganz folgerichtig muss auch der Messias ganz unten ankommen: Haft, Gericht und Tod, und die Bestätigung seines Messiastums in der Auferstehung. Deswegen sind Tod und Auferstehung Jesu die Kernpunkte des Glaubens, auch außerhalb der Osterzeit, und jede Eucharistiefeier feiern wir auch zum Gedächtnis daran.

Das heißt aber überhaupt nicht, dass das Christentum rein Todes- und Jenseitsfixiert ist. Überhaupt nicht. Jesus hat mit den Menschen immer das Leben gefeiert und hat mit seinen Gleichnissen vom Wirken Gottes in dieser Welt erzählt. Und er hat uns aufgefordert, es ihm gleich zu tun: "Wer mein Jünger sein will, nehme täglich sein Kreuz auf sich, und folge mir nach!". Das ist auch kein Aufruf zum Martyrium, denn das reale Kreuz kann man nicht täglich, sondern nur einmal erleiden. Jesus ruft uns auf wie er nach unten zu gehen, von Gottes Liebe zu sprechen und Frieden zu verbreiten. Und das immer. Täglich. Osterzeit und Zeit im Jahreskreis, Alltag und Festzeit. Wenn Jesus nur ein Prophet gewesen wäre, dann wäre er nur eine Gestalt aus der Vergangenheit. Wenn auch wir Jesus als Messias bekennen, dann hat das Auswirkungen auf unser Leben, hier und jetzt. Amen.

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